Es weihnachtet überall:

Und wenn schon, denn schon!
Sauerland/Halver – Er gehört dazu, wie die all jährlich das Land überfallende Besinnlichkeit und das immer unsäglichere Fernsehprogramm – der Weihnachtsbaum. Das Symbol schlechthin für unser wichtigstes Fest im Jahr. Jedoch „wenn schon Baum, dann natürlich bio – logisch!“ sagen immer mehr Verbraucher. Bioprodukte stehen hoch im Kurs bei der Bevölkerung und was bei Gemüse und Co. schon Alltag ist, zeichnet sich immer mehr auch beim Weihnachtsbaum als Trend ab.

Schön soll er sein, einfach perfekt
Der Kunden hat ein vorgeprägtes Bild, seine Erwartungshaltung ist deshalb die größte Herausforderungen für uns, sagt Volker Grüber, Gründungsmitglied der Initiative Bioweihnachtsbaum: „Es soll einfach der perfekte Baum sein und dieses Bild ist natürlich auch von den Medien geprägt.“

Eine schöne Spitze ist wichtig, nicht zu lang und gerade und dicht gewachsen soll der Baum sein. Und sattgrün selbstverständlich: Die Erwartungen sind hoch. Auf dieses Schönheitsideal habe sich selbstverständlich die Produzenten dieses Saisonprodukts längst eingestellt.  Über Jahre haben sie daher hochtechnisierte Verfahren entwickelt. Für schönes ebenmäßiges Wachstum der Triebe und den dichten Astkranz soll eine intensive Düngung  sorgen und natürlich für das saftige Grün.

 

Und „natürlich“ ist hier das Stichwort, denn mit natürlichem Wachstum im ursprünglichen Sinne des Wortes hat das schon lange nichts mehr zu tun. Um Kosten zu senken bei dem hohen Aufwand wird in der Regel in riesige Plantagen in industriespezifischer Produktionsweise investiert. Das Ergebnis ist aus dem industriespezifischen Nahrungsmittelanbau hinreichend bekannt: empfindliche Monokulturen, bei hohem Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Dünger.

 

Body-Shaping für Weihnachten


Aber damit nicht genug: Auf der Suche nach der vermeintlichen perfekten Form werden die Bäume in Form geschnitten. Die Produzenten setzen dabei speziell entwickelte Schnittmaschinen ein. Das Shaping gibt den Bäumen ein anderes Aussehen, eben perfekt. „Einer, wie der andere, alle gleich, wie geklont sehen die Bäume in den riesigen Plantagen aus“, sagt Grüber.

 

Natürliche Schönheit
Es geht aber auch anders. Bei Bio-Bäumen, die nur in kleinen, meist inhabergeführten Höfen zu Hause sind, wird in der Regel auf den Schnitt verzichtet, weil jeder Baum per Hand beschnitten werden müsste. Ohne diese Beschneidung wachsen sie ganz individuell. Die Bäume sind mal breit, mal schlank, mal etwas lichter, mal dichter. „Unsere Bäume haben Charakter, eben Naturprodukte und es ist spannend zu sehen, welcher Kunde sich für welchen Baum entscheidet. Da ist es sehr schwer Prognosen zu stellen, wer welchen Baum schön findet. Schönheit ist und bleibt subjektiv“, sagt der Bio-Weihnachtsbaumanbauer.

 

Aber auch die innere Schönheit zählt
Pünktlich zur Adventszeit machen Umweltorganisationen immer wieder Analysen, um festzustellen, wie sehr der klassische Weihnachtsbaum belastet ist. Im vergangenen Jahr hat der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) 15 Nadelbäume aus Garten- und Baumärkten analysieren lassen. Das Ergebnis war ernüchternd: jeder zweite Baum hatte Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln, darunter Glyphosat und Prosulfocarb. Für Prosulfocarb, ein leichtflüchtiges Pestizid fordert die Vereinigung Bioland e. V. immer wieder ein Verbot, weil dieser Pestizidwirkstoff über weite Strecken verfrachtet wird und die Ernte sowohl von Bio-Bauern als auch von konventionellen Landwirten verunreinigt.

Volker Grüber, der auf seinem Bio-Betrieb solche Agrarstoffe gar nicht anwenden darf, sagt dazu: 
„Wir stehen für praktizierte Nachhaltigkeit - unserer Umwelt und unseren Kunden zuliebe. Unsere Betriebe sind nach der EU-Verordnung Ökologischer Landbau zertifiziert und werden regelmäßig überprüft. Bei der Unkrautbekämpfung verzichten wir auf jeden Einsatz von Chemie und halten unsere Jungpflanzen nur mit mechanischen Mitteln sauber – mähen von Hand oder das arbeiten mit Shropshire-Schafen, heißt unsere Devise.“

Diese Methode Weihnachtsbäume anzubauen ist arbeitsaufwendiger und mühseliger, als die herkömmliche Produktion, aber die Vorteile liegen auf der Hand: in den Bio-Weihnachtsbaumkulturen wird ein gesünderes Mikroklima erhalten und damit eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Das hilft insbesondere den Insekten und erhält so den ganz wichtigen Lebensraum für unsere Bienen. Nicht zuletzt wird das Trinkwasser geschont und nicht mit noch mehr Pestiziden belastet. Das hilft uns allen und macht unsere Bäume „schöner“.


4573 Zeichen
Belegexemplar erbeten.

© 2019 Initiative Bioweihnachtsbaum